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Eröffnung Ketchupclub

04.10.2016 13:52

Niemand muss mehr mit leerem Magen lernen

Die Awo bietet in der Dachsbergschule Premnitz für Kinder ein kostenfreies Frühstück an

Die Awo bietet in der Dachsbergschule Premnitz für Kinder ein kostenfreies Frühstück an

Der "Ketchupclub" hat sich umgestellt. Fast sieben Jahre lang hatte die Einrichtung sich darum gekümmert, dass unversorgte Kinder der Grundschule Am Dachsberg in Premnitz ein warmes Mittagessen bekommen. Seit Beginn dieses Schuljahres ist das kostenlose Angebot zeitlich nach vorn gerückt.
Kinder von meist einkommensschwachen Familien, die kein Frühstück bekommen und möglicherwiese zu Hause nicht frühstücken, dürfen sich im Speisesaal der Schule täglich ab 09:20 Uhr die kleinen Mägen füllen. So viele Mädchen und Jungen, die sich wohlig über den Bauch streichen, sieht man selten.
Versorger ist der Bezirksverband Potsdam der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Franziska Löffler, die das Projekt koordiniert, berichtet, dass die Awo unter dem Namen "Spirellibande" in Potsdam an sieben Schulen ein kostenfreies Frühstück anbietet. "Ein ausgewogenes Frühstück steigert die Aufnahme- und Konzentrationsfähigkeit um Unterreicht deutlich", erklärt sie, "es trägt somit zu Lernerfolgen der Kinder und Jugendlichen bei." Auf diese Weise leiste die Awo einen Beitrag zur Chancengerechtigkeit. In der Landeshauptstadt wird das Frühstück morgens ab 07:15 Uhr noch vor Beginn des Unterrichts gereicht.
Weil in Premnitz am frühen Morgen die Zeit zu knapp wäre, hat man die erste große Pause gewählt.
Es gibt immer einen Obstteller: diesmal Äpfel, Birnen und Nektarinen - liebevoll entkernt und in Stückchen geschnitten. Immer auch Gemüse: diesmal Gurken, Tomaten und Möhrchen. Auf einen Teller sind Wurststullen und auf einen anderen Brötchen gehäuft.
Aus drei verschiedenen Cornflakes-Sorten können die Kinder wählen. In der Schüssel mit den Boulettchen steckt ein Spießchen mit einem Schweine-Bild drauf. Bedeutet: Verwendet wird grundsätzlich Geflügelfleisch. Sollte einmal Schwein dabei sein, wird es gekennzeichnet - was aus religiösen Gründen für manche Kinder sehr wichtig ist.
Annett Schröder und Mandy Braatz, die bei der Awo angestellt sind, kaufen jeden Morgen frisch ein, bereiten das Frühstücksbuffet vor und geben das Essen aus. Alle paar Tage gibt´s warme Würstchen oder Rührei auf Brötchen. Kleine Schmeckerchen werden nicht vergessen: Entweder sind es Waffeln oder die beiden Frauen schmieren Knäckebrot mit Schoko oder Marmelade.  Zu trinken gibt es Apfelschorle, Milch und Kakao. Im Winter warmer Tee.
Zur Finanzierung ihres Angebotes wendet die Awo nicht wenige Eigenmittel auf. Der Wohlfahrtsverband bekommt aber auch Zuwendungen von Spendern und Sponsoren. "Wir hoffen", sagt Franziska Löffler, "dass auch im Raum Premnitz Firmen und Menschen für unser Projekt spenden."
Gern gesehen seien Ehrenamtliche, die bei der Vorbereitung und Ausgabe des Frühstücks helfen und vielleicht auch ein bisschen mit den Kindern reden.
"Dieses Projekt ist sehr wertvoll", sagt Schulleiter Jens Martin, "weil hier Kinder aus sozial schwachen Familien kostenfrei ein gesundes Frühstück erhalten." Das Angebot werde sehr gut angenommen. Ein Nachweis der Bedürftigkeit sei nicht erforderlich, sagt Franziska Löffler. Es zeige sich, dass nur Kinder zum kostenfreien Frühstücksbuffet kommen, die es nötig haben.

Ein Frühstück für 64 Cent

Die Awo Potsdam nennt den Betrag von 64 Cent, mit dem für ein Kind Pro Tag ein gesundes Frühstück angeboten werden kann.
In sieben Schulen von Potsdam hat die Awo bislang ihr Projekt umbesetzt.
Das Stichwort dort lautet "Spirellibande" (www.spirellibande.de).
Die Dachsbergschule in Premnitz ist die achte Bildungsstätte, in der die Awo Potsdam für Kinder ein kostenfreies Frühstück anbietet.
"Ketchupclub" lautet in Premnitz das Stichwort, weil dort unter dieser Bezeichnung seit 2009 ein kostenfreies Mittagessen ausgereicht worden ist.
In Premnitz kommen 60 bis 80 Kinder zu Frühstücksbuffet. Insgesamt hat die Dachsbergschule 320 Kinder.
Teilnehmen können alle Schüler. Auch die, die ihr Frühstück vergessen haben.

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